Review Rex: Man of Steel

Mit etwas Verzögerung habe ich es jetzt auch mal geschafft den neuen Superman Film von Zach Snyder zu sehen, der gleichzeitig einen Reboot darstellt, als auch einen potentiellen Startschuß für ein gemeinsames DC Movieversum im Stile der Marvel Filme. Gleich mal vorweg: mein Superman wird immer Christopher Reeves sein, daran hat sich nichts geändert und wird sich wohl auch nie was ändern. Aber das muss ja nicht heißen, dass ich einen neuen Superman Film nicht trotzdem gut finden kann, oder?

MAN OF STEEL

Fangen wir mal damit an, dass dieser Film mit den Reeves Superman Filmen eigentlich sehr wenig gemeinsam hat. Klar, es geht um einen Typen im blauen Anzug namens Superman, aber ansonsten gibt es nur sehr wenige Überschneidungen, was für mich sehr positiv ist. Manche Magie lässt sich einfach nicht zweimal einfangen, schon garnicht 35 Jahre später. Deswegen ist „Superman Returns“ auch so sang- und klanglos untergegangen. Snyder erschafft hier einen komplett neuen Film der auch komplett darauf verzichtet, irgendwelche Anspielungen an die alten Filme unterzubringen. Zod sagt niemals „Knie nieder vor Zod“. Für mich sehr positiv.

JorElDer Film beginnt auf Kryption mit Jor-El (Russel Crowe) und seiner Frau Lara (Ayelet Zurer). Krypton ist eine Welt im Niedergang, Kinder werden nur noch in Klonanlagen geboren und von Geburt an für bestimmte Aufgaben vorgesehen. Kal-El, der Sohn der beiden, ist das erste natürlich geborene Kind auf Krypton seit Jahrhunderten. Jor-El versucht die Herrscher des Planeten zu warnen, dass die Welt untergehen wird, wird aber ignoriert. Gleichzeitig versucht General Zod (Michael Shannon) einen Militärputsch und inmitten all dieses Chaos bringt Jor-El (nach ein paar Actionszenen inklusive Ritt auf einem Drachen) den Codex – der genetische Katalog aller zukünftigen Kinder Kryptons – mit nach Hause und speichert die Daten in die DNA seines Sohnes ein um… äh, ja. Erste Handlungslücke des Films, denn einen wirklichen Grund gibt’s eigentlich nicht, also außer um dafür zu sorgen dass die Bösen später einen Grund haben Kal-El zu verfolgen. Aber dazu später mehr.

ZodPrisoner

Russel Crowe agiert hier in bewährter Manier, persönlich am besten gefallen hat mir allerdings Ayelet Zurer als Lara. Supermans zwei Mütter (Lara auf Krypton und Martha Kent auf der Erde) haben in allen bisherigen Interpretationen von Superman bisher stets minimale bis gar keine Rolle gespielt. Auch hier ist Laras Rolle zwar nicht wirklich groß, aber sie ist nicht nur Anhängsel von Jor-El sondern trifft eigene Entscheidungen und ist unser Blickwinkel auf den Untergang Kryptons. Vorher werden noch Zod und seine Renegaten in die Phantomzone verbannt, was natürlich dazu führt, dass diese die Zerstörung Kryptons überleben.

Nun sah es in den ersten Trailern von Man of Steel ja irgendwie so aus, dass sich der FIlm zu 80% darum drehen wird, dass Clark / Kal-El mit seinem Schicksal als Außenseiter hadert, mit seinem Vater (Kevin Costner) abhängt und als Landstreicher durch die Welt marschiert. Aber zum Glück: die Szenen aus den Trailern sind auch schon fast alle Szenen, die in diese Richtung gehen. Man of Steel ist zu 80% ein Actionfilm und das ist gut so. An der einen oder anderen Stelle hätte man vielleicht nochmal innehalten und ein wenig mehr an der Charakterentwicklung arbeiten können, aber ganz ehrlich? Wir haben uns doch alle immer einen Superman Film gewünscht, wo auch mal ordentlich zugelangt wird. Und das kriegen wir hier vollends geboten.

Aber wieder zur Handlung: Clark zieht durch die Welt, immer bemüht seine Kräfte geheim zu halten, weil ihm das Pa Kent so eingeimpft hat. Habe ja in einigen Kritiken gelesen, dass die meisten Leute Kevin Costner als Pa Kent und Diane Lane als Ma Kent für das Highlight des Films halten… ich nicht. Weniger wegen den Schauspielern, die beide gewohnt gut agieren, sondern wegen der Rollen. Ma Kent ist kaum von Konsequenz und Pa Kent ist eigentlich eher negativ ausgelegt, da er (so gewinnt man zumindest den Eindruck) mehr Wert darauf legt Clarks Fähigkeiten geheim zu halten als Leben zu retten. So maßregelt er Clark, als dieser als Kind einen Schulbus rettet, und hält ihn sogar davon ab ihn selbst zu retten, als er von einem Tornado getötet wird.

Aber Clark will trotzdem Gutes tun und gleichzeitig rausfinden, wo er herkommt. In der Arktis findet er ein Raumschiff von Krypton, was vor 18.000 Jahren hier abstürzte, als die Kryptonier vor ihrem Niedergang das Universum kolonisierten. Hier trifft Clark nicht nur auf die Reporterin Lois Lane (die er vor dem Verteidigungssystem des Raumschiffs rettet), sondern auch auf seinen richtigen Vater Jor-El, bzw. eine Computersimulation von selbigem, der ihm seine Herkunft eröffnet.

Das führt dann leider dazu, dass Zod und seine Spießgesellen auf die Erde kommen, denn sie haben die Reaktivierung des Raumschiffs geortet. Sie wurden durch die Explosion Kryptons aus der Phantomzone befreit und sind seither auf der Suche nach Überlebenden Kryptons. Als klar wird dass Kal-El auf der Erde ist und den Codex bei sich hat, wollen sie ihn natürlich in die Finger kriegen und stellen der Welt ein Ultimatum: her mit Kal-El oder sonst.

SupermanCuffsHier ist eines der großen Mankos des Films verborgen, denn die Welt hat ja noch gar keine Gelegenheit gehabt, Superman kennenzulernen, bevor sie jetzt gezwungen werden ihn auszuliefern. Insofern gibt es da eigentlich überhaupt keinen Gewissenskonflikt, denn wer sollte ein Problem damit haben einer Gruppe von Aliens einen der ihren auszuliefern? Aber natürlich will Zod nicht nur Kal-El haben, sondern auch die Erde in ein zweites Krypton verwandeln. Dazu schafft er eine Terraforming Maschine heran, die die Schwerkraft und Atmosphäre des Planeten verändern soll… aber auch hier: warum eigentlich? Bei den gegenwärtigen Zuständen haben die Kryptonier Superkräfte auf der Erde. Wenn’s dort wie Krypton wird, dann nicht mehr. Was aber positiv zu vermerken ist: die Kryptonier kommen nicht auf der Erde an und meistern ihre Superkräfte in Sekunden. Sie werden von ihren Supersinnen überwältigt, können anfangs nur Springen statt Fliegen, und erst gegen Ende meistert Zod den Hitzeblick.

Das Ganze mündet natürlich in der großen Endschlacht Superman gegen Zod & Co. mit ein wenig Mithilfe des amerikanischen Militärs und Lois Lane. Sehr positiv hier die Kampfszenen, die bisher besten Kämpfe von übermächtigen Superwesen gegeneinander, die mir je untergekommen sind. Hier setzt Man of Steel klar neue Maßstäbe.

Für viele sehr negativ: die breite Zerstörung und die menschlichen Opfer. Hier bin ich persönlich etwas zwiegespalten. Zum einen zeigt der Film hier ganz klar sog. Desaster-Porno, also die schiere Lust an Zertörung. Auf der anderen Seite ist es aber auch realistisch, dass Kämpfe zwischen so gewaltig übermächtigen Wesen großflächige Zerstörung anrichten. Der größte Mangel für mich ist weniger die Zerstörung, sondern dass man zu keiner Zeit den Eindruck hat, dass Superman sich wirklich drum scheert. In einer Szene sagt er mal ein paar Leuten, sie sollen in Deckung gehen, aber man sieht z.B. nie, dass er versucht den Kampf aus der Stadt raus aufs freie Feld zu verlagern oder sowas. Hier hätte aus meiner Sicht noch ein wenig mehr Einfühlungsvermögen her gemusst.

HeatVision

Und dann natürlich die große Finalszene und für viele der Hauptkritikpunkt an dem Film (VORSICHT! SPOILER!)

Superman tötet General Zod. Nun ist eine von Supermans Hauptcharakteristika ja die, dass er niemals tötet, auch und gerade weil es jemandem mit seinen Kräften so unglaublich leicht fällt. Persönlich muss ich hier aber sagen: geht okay. Superman hat ganz klar nicht den Tod von Zod gesucht, er fleht ihn mehrfach an ihn nicht dazu zu zwingen, er tötet ihn erst als klar wird dass Zod niemals aufhören wird Menschen zu töten, und er trauert im Nachhinein. Das ist in zwei Minuten schon zwanzig mal mehr Emotion und Menschlichkeit, als es z.B. Optimus Prime in allen drei Transformers Realfilmen gezeigt hat.

In Summe muss ich also sagen: mir hat Man of Steel gefallen und als potentieller Einstieg in ein DC Movieversum geht der Film für mich voll in Ordnung. Ein paar Sachen hätte man besser machen können, keine Frage. Lois Lanes Gegenwart auf dem Kryptonierschiff war an den Haaren herbeigezogen, viele Nebenfiguren waren eigentlich überflüssig (hab‘ erst im Nachhinein kapiert dass die Frau bei Perry White ein verweiblichter Jimmy Olsen sein soll), die Handlung hatte ein paar Löcher, aber in Summe: geht okay. Sicherlich kein Kandidat für die besten Filme aller Zeiten, aber als gelungene Neuverfilmgung von Superman klar ein Gewinner.

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