Review Rex: GI Joe – Die Abrechnung

cobrawhNachdem der erste GI Joe Film bestenfalls als leicht unterhaltsamer B-Movie durchging und die Fortsetzung erst angekündigt und dann (nachdem bereits die ersten Toys im Laden waren) verschoben wurde, nur um das Ding nachträglich noch in 3D umzuwandeln, waren die Erwartungen an GI Joe – Retaliation (Originaltitel) eher gering, würde ich mal meinen. Aber nachdem ich ihn jetzt gesehen habe kann ich ganz klar hier meine Meinung kundtun: es war ein gut unterhaltender Actionfilm. Sicherlich kein Klassiker für die Analen, aber ein unterhaltsamer Kawumm-Spaß, der es schafft gleichzeitig eine kleine Liebeserklärung an die 80er Jahre GI Joe Zeichentrickserie zu sein.

Wo fangen wir an? Zuerst mal damit, dass der Film den Spagat schafft, beinahe nahtlos an den ersten Teil anzuschließen, aber gleichzeitig den gesamten Nonsens daraus unter den Tisch zu kehren. Es wird erwähnt dass Cobra Commander und Destro im Knast, Zartan und Storm Shadow aber auf freiem Fuß sind. Kurz werden die Nanotech Dinger aus Teil 1 erwähnt, aber eigentlich nur um Zartans Gestaltenwandler Fähigkeiten zu erklären. Fertig. Die Besetzung der Joes aus Teil 1 ist bis auf Duke (Channing Tatum), Snake Eyes (Ray Park) und Storm Shadow (Byung-hun Lee) komplett weg und wird nicht mehr erwähnt, vermisst aber auch keiner. Wenn es einen Preis dafür gäbe, aus einem enttäuschenden ersten Teil einen tollen zweiten Teil zu zaubern, GI Joe 2 hätte ihn verdient.

cobratroopsRetaliation ist ein Action Abenteuer im klassischen Stil. Man hat einen oberfiesen Bösewicht, der mit Hilfe einer Superwaffe nach der Weltherrschaft strebt, sowie eine bunte Truppe aus Helden, die sich ihm entgegenstellt. Dabei noch diverse Helfer-Bösewichte, cooles futuristisches Equipment am Rande der Glaubwürdigkeit, ein paar markige Sprüche, kämpfende Ninjas, und fertig ist der Actionfilm. Mehr braucht man doch auch nicht.

cobrabrassCobra Commander, im ersten Teil noch eher eine Witzfigur, ist hier endlich der klassische coole Schurke, den wir noch aus den 80ern kennen. Er klingt zwar nicht wie der alte Cobra Commander (dazu hätte man ja auch Chris Latta auferstehen lassen müssen), aber er redet wie er. Seine Schergen sind richtig schön psychotisch böse, allen voran Sprengstoffexperte Firefly (Ray Stevenson). Nach den Motivationen der Bösen wird nicht gefragt, sie wollen eben die Weltherrschaft. Das reicht für einen solchen Film vollends aus und ist wesentlich besser als „ich will mich am Ex-Freund meiner Schwester rechen, weil der mich vor Jahren in einem Kriegsgebiet zurückließ, deshalb vernichte ich die Welt und unterziehe besagte Schwester einer Gehirnwäsche“.

joeretalDie eigentliche Hauptrolle spielt nach dem recht schnellen Tod von Duke in diesem Film Roadblock (Dwayne „the Rock“ Johnson) und man kann sagen, er ist geboren worden um diese Rolle zu spielen. Vergesst dass er mal Wrestler war, er ist Roadblock! Gleiches gilt für Ray Park, der den perfekten Snake Eyes spielt. Und wenn er und Jinx in einen Ninja-Tempel einbrechen, der am Hang eines endlos hohen Berges liegt und wo jeder böse Ninja eine Batman-Greifhakenpistole dabei hat, die kilometerlange Seile verschießen kann, dann fragt man nicht lange nach Sinn und Machbarkeit, denn es ist einfach nur cool.

retalninjHat der Film Logikbrüche? Klar, so einige. Aber das Pacing im Film stimmt, insofern macht man sich darum nie lange Gedanken. Ein englischsprachiger Reviewer hat den Film damit erklärt, dass ein Kind mit seinen Actionfiguren auf dem Fußboden des Kinderzimmers eine Handlung spielt und diese dann einfach auf die Leinwand gebannt wurde. Passt finde ich sehr gut. Storytechnisch ist der Film alles andere als anspruchsvoll, aber darum geht es ja auch gar nicht und hat glaube ich auch niemand wirklich erwartet.

hisstankUm noch eines meiner Lieblingsthemen zu erwähnen: den Gewaltfaktor. Klar, GI Joe ist ein Actionfilm aus dem Jahre 2013, insofern ist da schon einiges an Gewalt zu sehen. Schließlich geht es ja auch um eine Spezialeinheit, die gegen Terroristen kämpft. Aber im Gegensatz zu anderen Filmen ist die Gewalt hier einfach eine notwendige Zutat, kein Selbstzweck. Klar, Leute werden niedergeschossen. Aber es macht Peng und sie fallen um, wir sehen nicht in Zeitlupe und Bullet-Time, wie ihnen die Kugeln die Schädel zerfetzen. Snake-Eyes haut reihenweise Bösewichter mit dem Schwert um, aber wir sehen keine Blutfontänen oder abgetrennte Köpfe. Und Cobra Commander macht mit seiner Superwaffe London dem Erdboden gleich (warum eigentlich nicht Paris? Kein Sinn für Tradition hier), aber das beschränkt sich auf eine ca. 5 Sekunden lange CGI Sequenz und der Horror spiegelt sich lediglich auf den Gesichtern der beobachtenden Politiker wieder. Damit: klar, brutal, aber nicht mehr als unbedingt nötig.

Noch ein paar zusammenhanglose Eindrücke:

  • Bruce Willis als General Joe Colton wirkt ein wenig gelangweilt, spielt aber trotzdem routiniert gut.
  • Wir sehen ein paar der klassischen GI Joe Fahrzeuge wie den HISS Tank und den Rattlor Jet. Sehr schön, wenn natürlich auch klares Toy-Marketing.
  • Walton Goggins hat aus seiner eigentlich völlig nebensächlichen Rolle als Gefängniswärter echt das absolute Maximum an coolen Sprüchen und „Ich liebe es ein Arschloch zu sein“ Feeling rausgeholt und ich war irgendwie traurig, dass er dann draufging.
  • Dass Storm Shadow am Ende so schnell die Seiten wechselte wirkte zwar ein wenig gezwungen, aber spätestens als er und Snake-Eyes dann Rücken an Rücken kämpften, hat man das eh vergessen und genoss einfach die Coolness.
  • Channing Tatum (Duke) war im ersten Teil bestenfalls durchschnittlich als biederernster Hauptcharakter. Hier als lockerer, auch mal witzelnder Nebencharakter hat er mir sogar recht gut gefallen.
  • Nordkorea und Israel sitzen mit am Tisch der Atommächte? Gewagt, gewagt. Aber cool dass jeder seinen Koffer dabei hat (der Einfachheit halber noch mit kleinen Flaggen versehen, damit man sie nicht verwechselt) um das gesamte Atomwaffenarsenal zu starten. Hart am Rande der Glaubwürdigkeit, aber vom Spaß nicht ablenkend.

Abschließend also mein Fazit: GI Joe 2 hat mir sehr gut gefallen. Wie gesagt sicherlich kein Klassiker, aber anspruchsfreie Popcorn-Unterhaltung, wo der Film genug Spaß macht, dass die Logiklöcher nicht weiter aufstoßen. Ich denke es hilft auf jeden Fall, wenn man sich zumindest ein klein wenig im GI Joe Universum auskennt, aber so oder so: wer einfach mit der Erwartung guckt, hier leichte Actionunterhaltung zu finden, der wird nicht enttäuscht werden, denke ich.

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