Review Rex: Pacific Rim

pacific-rim-101-1024x640Nehmen wir wichtigste gleich mal vorweg: Pacific Rim ist ein Film mit einer extrem weit hergeholten Prämisse. Nein, nicht die Tatsache, dass eine Spezies gewaltiger Monster aus einem Dimensionsspalt unter dem Ozean auf die Erde strömt. Das ist nicht mehr oder weniger fantastisch als es bei vielen anderen Science Fiction Filmen der Fall ist. Nein, das wirklich weit hergeholte ist, dass die Menschen es für die mit Abstand beste Lösung halten, gewaltige Kampfroboter – gennant Jäger – zu konstruieren, um diese Kreaturen zu bekämpfen.

pacific-rim09-1024x576Ganz ehrlich: mir fallen auf Anhieb ein halbes Dutzend bessere Methoden ein. Die Monster kommen immer von der selben, bekannten, überwachbaren Stelle. Sie kommen einzeln aus dem Spalt heraus in berechenbaren Abständen. Menschliche Waffen wie Raketen oder Plasmakanonen können ihnen schaden. Anstatt also zu warten bis sie an Land kommen und sie dort mit Riesenrobotern zu bekämpfen, könnte man die Jäger z.B. direkt am Spalt stationieren. Man könnte dort große Selbstschussanlagen bauen. Man könnte den Spalt vermienen, unter Tonnen von Gestein begraben, oder eine undurchdringbare Kuppel darüber erreichten und die mit Säure oder Giftgas füllen. Aber nein, wir haben lieber Riesenroboter, die weit weg von dem Spalt stationiert sind und in Ruhe darauf warten, dass so ein Monster eine Küste ansteuert. Okay. Und als das nicht mehr reicht, entscheiden sich die Regierungen dazu… eine Mauer zu bauen. Nein, keine Mauer um den Spalt herum. Eine Mauer entlang der gesamten Pazifikküsten von Amerika, Asien und Australien. Eine Mauer, die wohl gerade mal so hoch ist wie die Monster selbst und scheinbar weder unter Strom steht, noch sonst irgendwie bewehrt ist. Äh… okay. Muss man halt so hinnehmen.

sydney_kaiju_pacificrimHat man diese wirklich extrem dämliche Prämisse erstmal geschluckt allerdings, findet man hier einen verdammt guten Actionfilm vor, der natürlich vor allem davon lebt, dass man gigantische Roboter gegen gewaltige Monster kämpfen sieht. Die storytechnische Tiefe einer Wrestling-Veranstaltung stört nicht weiter, wenn man sieht wie ein gewaltiger Roboter hoch über der Erde einem geflügelten Monster den Kopf abschlägt oder Schiffscontainer als Schlagringe und einen Öltanker als Baseballschläger benutzt. Der Film lebt von dem Wow-Effekt und geizt nicht mit Action im Breitwandformat. Story und Charaktere sind hier auf das nötigste reduziert, was aber nicht weiter schlimm ist.  Wir gucken diesen Film nicht wegen den Charakteren, sondern weil wir sehen wollen wie Riesenroboter einem Riesenmonster eine reinhauen.

PacificRim1-1024x545Insofern ist es wenig überraschend, dass die Charaktere eigentlich allesamt bestenfalls Stereotypen sind. Der tragische Held, der den Tod seines Bruders verdauen muss. Die Frau, die nur an Rache denkt, weil als Kind ihre Familie von den Monstern getötet wurde. Der beinharte Anführer Nick Fury… äh, sorry. Wie hieß er doch gleich? Egal, der Typ der bis auf die Augenklappe Nick Fury ist und die beste Motivationsrede seit Bill Pullman in Independence Day hält. Dazu noch ein paar mehr oder minder durchgeknallte Wissenschaftler und ethnische Stereotypen als Piloten der anderen Riesenroboter, fertig ist das Ensemble. Aber wie gesagt, ist nicht wirklich schlimm.

Pacific_Rim_TV_Spot_7_03Trotzdem man noch so ein wenig die Message reinhaut, dass wir ja selbst an dem Unglück Schuld sind (die Monster können nur hier leben, weil wir die Atmosphäre vergiftet und die Ozeane übersäuert haben) hat der Film zu keiner Zeit den Anspruch mehr zu sein, als er ist: ein optischer Genuß. Und damit kann ich eigentlich ganz gut leben. Um mal einen Vergleich mit den letzten beiden Transformers Filmen zu ziehen: Pacific Rim ist so, als hätte Michael Bay die nervigen Szenen mit Sam Witwicky auf 5 Minuten reduziert, die Wackelkamera daheim gelassen, die Roboterkämpfe tatsächlich mal so gezeigt, dass man sieht was abgeht, und auf den Fekal-Humor verzichtet.

Noch ein paar zusammenhanglose Eindrücke:

  • Obwohl auch dieser Film klar als Desaster-Porno durchgeht, wird deutlich gezeigt, dass die Zivilbevölkerung evakuiert wird und die Gebäude, die zerstört werden, leer sind. Sehr positiv.
  • Obwohl die beiden Hauptdarsteller so ein wenig miteinander flirten, gibt es keinen großen Kuß als Finale, keine romantische Schwermut und es bleibt auch ein wenig jedem selbst überlassen, ob er jetzt glaubt dass die beiden nach dem Abspann zusammenkommen oder nicht. Gefällt mir auch sehr gut.
  • Ron Perlman ist mittlerweile glaube ich für jeden Film von Regisseur del Toro gesetzt und macht aus seiner Rolle als exzentrischer Monster-Organ-Händler das beste. War er jetzt unbedingt nötig? Nein. Witzig? Auf jeden Fall.
  • Den Machern (bzw. den Charakteren) scheint nicht wirklich klar zu sein was ein EM-Puls ist, was der Unterschied zwischen digital und analog ist, und dass das nichts mit Nuklearreaktoren zu tun hat. Und dass man einen Nuklearreaktor nicht so mir nichts, dir nichts zur Nuklearbombe umbauen kann. Aber sei’s drum.
  • Die Jäger und die Monster kriegen allesamt coole Namen, die auch in einem Wrestling-Ring nicht fehl am Platz wären… außer Gipsy Danger. Ganz ehrlich, das klingt mehr nach einer Stripperin als einem heldenhaften Kampfroboter.

Pacific_Rim_Sneak_Peek_09In Summe also: ein guter, leicht verdaulicher Sci-Fi-Actionfilm. Nicht einen Deut mehr als das, aber trotzdem wesentlich bessere Unterhaltung als zahlreiche andere Science Fiction Filme der letzten paar Jahre. Definitiv wert, angesehen zu werden.

 

 

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