Mystizismus und Sexismus bei außerirdischen Robotern

First13In dem kürzlich erschienenen Buch „The Covenant of Primus“ werden nicht nur entgültig die Namen und Identitäten der originalen 13 Transformers geklärt, es wird auch ein für allemal (oder zumindest bis zur nächsten Revision) festgelegt, was es genau mit den weiblichen Transformers auf sich hat. Die weiblichen Transformer stammen alle von Solus Prime ab, der einzigen Frau unter den 13 (Sc  hlumpfine lässt grüßen). Und wie es sich für einen weiblichen fiktiven Charakter geziemt ist Solus Prime natürlich ein wandelndes Klischee:

Ihre Systeme sind speziell für weitreichende parallele Prozesse ausgelegt.
=> Frauen können im Gegensatz zu Männern mehrere Sachen gleichzeitig machen

Sie findet Freude daran Dinge zu erschaffen
=> Frauen sind die Erschaffer, Männer die Zerstörer

Sie hat ein hitziges Temperament
=> Frauen flippen gerne mal aus

Sie hat eine romantische Verbindung mit Megatronus Prime, der später zu The Fallen wird
=> Frauen verlieben sich immer in die bösen Jungs

Aus Eifersucht tötet Megatronus sie, was zu seiner Verbannung führt
=> Frauen sterben als dramatische Charakterentwicklung für die Männer

Nach ihrem Tot leuchtet ihr Körper, verschmilzt mit Cybertron und wird zu einem langen Tunnel hinunter zu Vector Sigma. Die Quelle der Sparks, aus der alle späteren Transformers kommen, ist erschaffen.
=> Die einzige Frau wird zu Cybertrons Vagina.

Sicherlich ist es möglich, die Geschichte des ersten weiblichen Transformers noch sexistischer zu gestalten… aber im Moment wüsste ich nicht wie. Aber das führt mich wieder mal zu dem Thema, dass ich diese immer mehr in Mystizismus abdriftende Ursprungsgeschichte der Transformer zum Brechen finde.

QuintessonsOkay, die ursprüngliche Geschichte aus den Marvel Comics, dass sich die Cybertronier aus „natürlich vorkommenden Hebeln, Kabeln und Zahnrädern“ entwickelt haben war purer Stuß, keine Frage. Aber der Cartoon gab uns dann die aus meiner Sicht bis heute beste Ursprungsgeschichte, nämlich dass die Transformers ursprünglich von den Quintessons erschaffen wurden. Irgendwann wurden die Roboter dann so komplex, dass sie Emotionen und ein eigenes Bewusstsein entwickelten und sich gegen ihre Erschaffer auflehnten. Fertig. Mehr braucht es doch eigentlich nicht.

APrimusber nein, es geht ja nicht ohne Religion und Zauberei. Deshalb gibt’s einen Gott namens Primus, einen Teufel namens Unicron und diverse Zaubergegenstände, die auf mystische Weise den Transformers den göttlichen Lebensfunken einhauchen. Und es werden immer verworrene Gründe gesucht, warum es männliche und weibliche Transformers gibt, wo doch die Erklärung über die Quintesson-Geschichte ganz einfach ist. Die Quintessons erschufen die Transformers als Konsumgüter für andere Rassen und nach deren Vorbild, somit gab es männlich und weiblich aussehende Roboter. Fertig. Kein Sexismus, kein Mystizismus, eine ganz einfache und logische Erklärung.

Aber scheinbar ist es für uns als Menschen einfach nicht genug. Sollte natürlich nicht überraschen, ist doch der größte Teil der Menschheit immer noch nicht willens die Evolution anzuerkennen und glaubt lieber, dass wir von einem Gott geformt wurden anstatt uns auf natürliche Weise aus Einzellern entwickelt zu haben. Da muss das gleiche natürlich auch für außerirdische Roboter aus dem All gelten.

Ich hatte ja lange Zeit nicht mal was gegen die Idee von Primus und Unicron, als diese noch einfach als mächtige kosmische Wesen dargestellt wurden. Aber mit jeder neuen Version der Geschichte wird das ganze mystischer, religiöser und unlogischer. Zauberwaffen werden auf kosmischen Ambossen geschmiedet, magische Schlüssel können ganze Welten in Sekundenschnelle wieder instand setzen, die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Ich hoffe ja irgendwie, dass die nächste Revision der Transformers Ursprungsgeschichte eröffnet, dass dieser ganze Kram einfach nur eine Erfindung der Quintessons ist, weil diese hofften ihre Geschöpfe mittels Religion besser kontrollieren zu können (klappt auf der Erde ja seit Jahrtausenden ganz hervorragend). Primus ist wie der Zauberer von Oz nur Schall und Rauch, die Quintessons sind der Mann hinter dem Vorhang. Und Unicron wurde von Primacron gebaut, einem Feind der Quintessons, um die Konkurrenz auf dem Gebiet der Roboterkonstruktion zu eliminieren. Könnte man als wunderbares Gleichnis über den schwindenden Einfluss von Religion in der realen Welt konstruieren und vielleicht damit den Kindern noch klarmachen, dass sie Dinge auch mal hinterfragen sollen, anstatt einfach allen Mist, der ihnen vorgesetzt wird, zu akzeptieren.

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