Review Rex: Robocop (2014)

Robocop_PosterRobocop dürfte einer der beliebtesten B-Movies aus den 80er Jahren sein und hat heute Kultstatus, nicht zuletzt wegen vieler toller Actionsequenzen, markiger Sprüche und einem der vielleicht besten Kinoplakate aller Zeiten. Ihr wisst schon, Robocop wie er in der Tür seines Polizeiautos steht und die Zeilen „Halb Mensch, halb Maschine, ganz Cop“. Einfach genial. Insofern war es natürlich unvermeidlich, dass wir früher oder später ein Remake dieses Films sehen würden und es war natürlich ebenfalls unvermeidlich, dass viele Menschen diesem Remake mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen würden.

Nachdem meine Frau und ich den Film jetzt gesehen haben kann ich nur sagen: schockierend! Wirklich schockierend! Schockierend wie gut dieses Remake geworden ist.

Spoilerfrei kann ich nur sagen, dass es den Machern hier gelungen ist, den Geist des alten Filmes einzufangen, ohne sich aber sklavisch daran zu halten. Die berühmten Zitate aus dem Original („Das kauf’ ich für’n Dollar!“, „Tot oder lebendig, du kommst mit mir!“, „Danke für ihre Kooperation“, etc.) sind mit drin, aber fließen organisch ein ohne Holzhammereffekt. Die stark 80er-lastigen Themen des Originals (böse Großkonzerne, ausschweifendes Verbrechen, Macht der Gewerkschaften) sind für die „Generation Terror“ aufgefrischt worden und es geht u.a. um manipulative Medien, den großflächigen Einsatz von Drohnen und den Konflikt zwischen immer schneller voranschreitender Technik und Ethik.

Im Folgenden sind Spoiler enthalten.

Robocop_JacksonAls erstes möchte ich die wirklich tollen Schauspieler erwähnen, die sich in diesem Film tummeln. Allen voran Samuel L. Jackson, der sichtlich Freude daran hat mal nicht den knallharten Nick Fury Typ zu spielen (das kann er eh schon im Schlaf) sondern als großkotziger TV Moderator eines rechten Fernsehmagazins (Ähnlichkeiten mit FOX News sind sicherlich beabsichtigt) brillant aufspielt. Diese Figur dient u.a. dazu den Rahmen der Handlung zu geben, geht es doch darum, dass im Ausland schon lange Roboter (u.a. der aus dem Original bekannte E.D.-209) erfolgreich eingesetzt werden, es aber per Gesetz verboten ist, diese auch daheim für die Verbrechensbekämpfung zu nutzen.

Das bringt uns direkt zu Michael Keaton, der als böse Karikatur von Steve Jobs ebenso brillant agiert. Er ist Raymond Sellars, der Chef von Omnicorp, dem Hersteller besagter Roboter, der ein rechtliches Schlupfloch sucht, um seine Roboter endlich auch auf dem heimischen Markt verkaufen zu können. Dieses findet sich in Alex Murphy (passabel gespielt von Joel Kinnaman), einem Cop der nach einem Anschlag auf sein Leben (verübt von korrupten Kollegen) mit dem Tode ringt. Anders als im Original wird seine Familie hier mit eingebunden und seine Frau (ebenfalls sehr gut: Abbie Cornish) gibt die Zustimmung, dass Murphy eine Ganzkörperprothese erhält und zum Robocop wird.

Robocop_GegnerUnd der Dritte Topschauspieler im Bunde ist dann Gary Oldman als Dr. Norton, der Chefwissenschaflter von Omnicorp und Murphys Leibarzt / Ingenieur. Denn obwohl Murphy natürlich die Hauptfigur des Films ist, spielt sich der eigentliche Konflikt vor allem zwischen Sellars und Norton ab. Für Keatons Charakter ist Robocop eine Maschine, ein Produkt, ein Marketinginstrument. Dass er mal ein Mensch war ist für ihn absolut vernachlässigbar. Für Dr. Norton hingegen steht der Mensch im Vordergrund. Und so ist es er, der am Ende Murphy die Möglichkeit gibt, sich aus der Kontrolle von Omnicorp zu befreien und als Whistleblower auftritt.

Ungewöhnlich für einen modernen Action Blockbuster sind auch die philosophischen Untertöne, speziell als es um das Thema freien Willen geht. Als klar wird dass Murphy als Robocop nicht mit der selben Geschwindigkeit reagiert wie eine vollautomatische Drohne wird sein Programm angepasst, so dass im Kampf die Software die Kontrolle übernimmt und Murphy nur noch glaubt, er hätte freien Willen. Unausgesprochen bleibt die Frage, ob es so was wie freien Willen überhaupt noch gibt und wie viel davon Murphy am Ende jetzt wirklich wieder hat. Und auch sehr schön: die Anspielungen auf moderne Marketing und Social Networking Macken, so z.B. dass Robocop in schwarz cooler aussehen soll und kurz der Vorschlag auf dem Tisch ist, dass er sich transformieren können soll („die Kinder stehen auf so was“).

Robocop_DronesDie Action ist passabel, ohne jetzt den Film zu dominieren, und die Special Effects sind auch sehr gelungen. Anders als bei anderen Filmen haben die CGI Roboter auch das Gefühl von Schwere und Gewicht, anstatt wie Ballerinas tanzend durch die Luft zu schweben. Der obligatorische Kampf Robocop gegen ED-209 (sogar mehrere davon) ist gut in Szene gesetzt, aber klar nur ein Nebenschauplatz und wird auch nicht überstrapaziert. Ebenfalls positiv: es wird zwar hier und da die berüchtigte Wackelkamera eingesetzt, aber in Maßen. Bei den Kämpfen sieht man, was abgeht, und die Schnitte sind auch nicht zu hektisch.

Wenn man dem Film eine Sache vorwerfen kann, dann dass so ein wenig der Abschluss fehlt. Es werden zahlreiche Handlungsstränge aufgeworfen, aber am Ende bleibt alles so ein wenig in der Luft hängen. Was ist jetzt mit Omnicorp bzw. dem Mutterkonzern Omni Consumer Products? Was genau ist der Status von Murphy? Wie geht es mit ihm und seiner Familie weiter? Hier wird klar Raum für ein Sequel gelassen, ohne dass es jetzt zwangsweise notwendig ist.

Robocop_LaborEin Thema vor der Veröffentlichung des Films war ja außerdem noch das Rating. Der Original Robocop war ab 18, da hier das Blut literweise spritzte, Gliedmassen durch die Gegend flogen und Leute von Säure zerfressen wurden. In Deutschland stand der Film in seiner ungeschnittenen Fassung bis vor kurzem sogar noch auf dem Index. Somit war für viele das FSK 12 Rating des neuen Films ein Dorn im Auge. Persönlich muss ich aber sagen: so groß finde ich den Unterschied nicht. Okay, es spritzt nicht wirklich viel Blut, aber es werden trotzdem massenweise Leute umgeballert und die Szene, wo Murphy „entkleidet“ wird und man sein bloßes Gehirn sieht sind auch nicht unbedingt was für empfindliche Mägen. Ich hätte dem Film eher ein 16er Rating verpasst, aber ich bin da glaube ich ein wenig dem Zeitgeist hinterher.

In Summe muss ich aber sagen: ein wirklich toller Film und für mich der Standard, an dem in den nächsten Jahren Remakes gemessen werden sollten. Wenn einem schon nichts Besseres einfällt, als einen vor 30 Jahren erfolgreichen Film neu aufzulegen, dann bitte so.

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