Review Rex: Captain America – The Winter Soldier / The Return of the First Avenger

PlakatReview Rex: Captain America 2 – The Winter Soldier / The Return of the First Avenger

Zuerst einmal würde ich gerne fragen, warum wir in Deutschland scheinbar die einzigen sind, für die der Titel „Captain America – The Winter Soldier“ zu hoch, zu anstößig, zu vorbelastet oder zu verwirrend ist (zumindest in der Meinung irgendwelcher Verantwortlicher) und wir stattdessen den absolut nichtssagenden Titel „The Return of the First Avenger“ kriegen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass auch in Deutschland mehr Leute was mit „Captain America“ als mit „The First Avenger“ anfangen können, aber gut. Wir Deutschen sind ja eh so Wutbürger und alles wäre besser wenn wir die Leute einfach machen lassen würden anstatt ständig zu meckern oder mitreden zu wollen. Okay, Rede vorbei. Es geht um den Film. (Im folgenden sind Spoiler enthalten)

Cap_und_WidowBisher hat sich Marvel mit Fortsetzungen ja nicht so leicht getan. Ironman 2 war ziemlich mies, Thor 2 war zwar nicht schlecht, aber irgendwo langweilig. Aber mit „The Winter Soldier“ wird der Trend gebrochen und Marvel legt einen zweiten Teil hin, der dem ersten Teil nicht nachsteht. Natürlich profitiert dieser spezielle Teil davon, dass er eine komplett andere Story in einer komplett anderen Welt erzählt. Cap ist jetzt in der Gegenwart und muss rausfinden, wie er ins 21. Jahrhundert passt. Er arbeitet mit SHIELD zusammen, aber die Geheimniskrämerei und Spionage liegt im garnicht, was ihn auch in Konflikt mit seiner Avengers-Kameradin Black Widow und dem SHIELD Direktor Nick Fury bringt, speziell als Fury ihm das neuste SHIELD Projekt vorstellt: ein Trio neuer Helicarrier, die die gesamte Welt überwachen und Bedrohungen ausschalten können, bevor sie akut werden.

Womit wir auch direkt beim Thema des Films angekommen sind: wieviel Freiheit ist man bereit aufzugeben für die (vermeintliche) Sicherheit? Denn in „The Winter Soldier“ wird der Status Quo des Marvel Movie-versums komplett auf den Kopf gestellt. SHIELD, bisher die überkompetente, coole Agentenriege, die die Helden unterstützt, ist hier die Quelle allen Übels, denn die gesamte Organisation ist von alten Bekannten von Cap unterwandert: Hydra. Die Organisaiton wurde zwar von Cap im 2. Weltkrieg zerstört, aber einige Überlebende wurden von Amerika rekrutiert und haben über die Jahrzehnte erkannt, dass sich hier eine wesentlich bessere Methode zur Eroberung der Welt bietet: nimmt man den Leuten die Freiheit mit Gewalt, dann wehren sie sich. Es ist viel einfacher die Leute zu überzeugen, ihre Freiheit selber herzugeben, alles im Namen der Sicherheit. Und mit den neuen Helicarriern ist Hydras Ziel in Reichweite, denn ein ausgeklügeltes Computerprogramm berechnet genau, welche Menschen jetzt oder in Zukunft Unruhe stiften könnten. 20 Millionen Namen auf der Liste, die alle auf einmal ausgelöscht werden sollen. Alles für eine bessere Welt.

WinterSoldierSomit jede Menge Ärger für Cap, der sich nicht nur mit einer außer Kontrolle geratenen SHIELD Organisation rumschlagen muss, die ihn als Verräter brandmarkt, er kriegt es außerdem mit der Hydra Geheimwaffe Nummer 1 zu tun: dem Winter Soldier. Und dieser ist niemand anderes als sein alter Kamerad und bester Freund James Buchanan „Bucky“ Barnes. Jahrzehnte auf Eis, Gehirn gut durchgewaschen, und programmiert alles zu tun, um Hydras Vision einer perfekt geordneten Welt durchzusetzen.

Der Film schafft es sehr gut, diese Balance zwischen großer Story und dem persönlichen Drama zu halten und der Streifen bleibt bis zur letzten Minute spannend. Okay, ein paar Sachen sind dabei, die ich persönlich überzogen fand. Z.B. dass man jetzt unbedingt noch zeigen musste, wie Caps große Liebe aus dem Krieg im Altersheim mit Alzheimer liegt. Die Szene hätte man auch mit weniger künstlichem Herzschmerz machen können. Und der nicht näher definierte Sicherheitsrat, der SHIELD leitet, hätte klischeehafter kaum sein können. Der typische alte US-Politiker, ein Inder mit der Stimme des Lemurenkönigs aus Madagaskar, ein nichtssagender Asiate und Angela Merkel. Okay, Angie durfte wenigstens mal ordentlich prügeln, wenn dann am Ende auch die Black Widow hinter ihrer Maske steckte. Aber trotzdem: Go, Angie!

Cap_und_Widow2Auch ein großes Kompliment an Chris Evans, der nicht nur für diesen zweiten Teil glaube ich nochmal ordentlich körperlich zugelegt hat, sondern auch die Rolle des Cap für meinen Geschmack perfekt spielt. Ein Held, wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben. Keine düstere Vergangenheit, keine Psychosen, sondern einfach ein guter Kerl, der Gutes tun will und kein Verständnis dafür hat, dass der Zweck die Mittel heiligt oder man für eine vermeintlich bessere Welt über Leichen geht. Und der auch bereit ist, Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um seinen besten Freund zu retten, auch wenn dieser sein bestes tut, ihn umzubringen.

Obwohl der Film insgesamt gesehen recht düster ist, so macht es doch gerade diese Darstellung eines klassischen Helden für mich aus. Cap ist in mehr als einer Hinsicht ein fremder in einem fremden Land und dieser Kontrast des düsteren, übertechnisierten, verängstigten 21. Jahrhunderts mit dieser strahlenden Ikone eines Amerikas, das so nie wirklich existiert hat, aber in Cap trotzdem personifiziert ist. Und allein durch sein Beispiel werden auch so zwielichtige, im Grauen operierende Charaktere wie die Black Widow und Nick Fury so ein klein wenig besser. Ach ja, und großes Kompliment an Anthony Mackie, der als Sam Wilson / Falcon einen wunderbaren Sidekick für Cap gibt. Genau die richtige Mischung aus coolen Sprüchen und Ernsthaftigkeit, die hier reinpasst.

FalconNoch erwähnenswert: die vielen guten Nebenrollen. Angie Merkel hatte ich ja schon erwähnt. Robert Redford hat sichtlich Spaß daran, mal den Bösen zu spielen. Außerdem ist Abed aus Community dabei, Agent 13 wird gespielt von dem Mädel aus Everwood und in den Post-Credits sehen wir dann sogar noch einen alten Bekannten aus den Cap-Comics bzw. der „Avengers: Die Mächtigsten Helden der Welt“ Serie: Baron von Strucker, der sogar noch Quicksilver und Scarlet Witch von den X-Men im Gepäck hat (auch wenn sie aus rechtlichen Gründen hier wohl nicht die Kinder von Magneto sein werden).

Mein Fazit also: ein sehr gelungener Film. Teil 1 hat gezeigt, wie ein klassischer Held geschaffen wurde. Teil 2 zeigt, dass ein solcher Held auch und gerade in der heutigen Zeit noch relevant ist und gebraucht wird. Freue mich somit schon sehr auf Cap in Avengers 2 und Captain America 3. Ach ja, und ich finde seine Uniform aus dem 1. Teil, die er ja gegen Ende wieder anzieht, deutlich gelungener als die dunkle Uniform vom Anfang oder sein Outfit aus Avengers.

PS: Eine andere Kritik hat Chris Evans‘ Darstellung von Captain America mit Christopher Reeves Superman verglichen. Sehr passend, wie ich finde. Der charmante, immer so ein ganz klein wenig unsicher wirkende, aber immer herzensgute Held. Hatten wir seit Christopher Reeves leider schon lange nicht mehr.

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