Review Rex: Transformers 4 – Age of Extinction

transformers_age_of_extinctionOkay, ich hab‘ den Film jetzt doch gesehen. Zu meiner Verteidigung, ich wurde eingeladen. Somit bleibt es dabei, dass seit ROTF kein Geld mehr aus meiner Brieftasche in die von Paramount gewandert ist. Aber gut, ich habe den Film gesehen.

Erster Eindruck: mein Gott, ist der Film lang. Als ich nach gefühlten zwei Stunden auf die Uhr schaute (es war gerade mal eine Stunde) war noch nicht mal die Hälfte vorbei. Erster Kritikpunkt somit gleich: der Film ist deutlich zu lang. Aber gut, ist die Länge wenigstens ordentlich gefüllt?

Die Story: Potential ist da. Die Geschichte um Lockdowns Auftraggeber, die Schöpfer, klingt interessant. Leider ist das Ganze nicht mehr als ein Set-Up für den nächsten Teil und spielt für diesen Film hier eigentlich keine Rolle. Dass mal die Menschen die Bösen sind (also zumindest die bösen Regierungsmenschen, jetzt wo ein Demokrat im Weißen Haus ist anstatt einem Pro-Militär Republikaner) ist okay, wenn auch teilweise etwas unglaubwürdig umgesetzt (siehe weiter unten).

Aber es geht ja um die Saat, ein Magisches Zauberdingsbums, das ganze Planeten cyberformieren kann. Inwiefern das und die Story mit den Schöpfern mit solchen Dingen wie dem AllSpark und den ersten 12 Primes zusammenpasst? Keine Ahnung, interessiert glaube ich aber auch niemanden wirklich. Und natürlich kehrt Megatron zurück (wieder einmal), wenn auch mit neuem Namen und Körper. Soviel zum Thema es gibt keine Wiederauferstehungen mehr. Ist aber auch egal. Megatron / Galvatron ist ebenfalls eher für Teil 5 geplant und spielt in diesem Film nur eine Minirolle.

Die Charaktere: Hauptperson ist der Erfinder Cade Yeager, gespielt von Marky Mark Wahlberg, ein absolut verantwortungsloses Kind im Körper eines Mannes, der erst nachdem er eine außerirdische Schwert-Wumme findet und damit generische Aliendrohnen abballert ein Mann wird und endlich den Freund seiner Tochter neben sich ertragen kann. Besagte Tochter trägt kurze Shorts und High Heels und ist erst 17 (worauf wieder und wieder rumgeritten wird), ist aber diejenige, die ihren Vater am Leben erhält, während der Schrott sammelt, Strom klaut, Leuten Gewalt androht und Geld verpulvert. Aber er rettet Optimus Prime und überzeugt ihn mit einer Story über Fehler, die zu was Wundervollem führen können (ich hoffe seine Tochter hat das nicht gehört, denn er dachte dabei wohl daran, wie er ihre Mutter geschwängert hat), doch noch für die Menschen zu kämpfen, insofern ist alles wieder gut.

Die Autobots hingegen sind jetzt zwar optisch mal zu unterscheiden, kommen aber über Stereotypen erneut nicht hinaus. Drift und Crosshairs sind nur Statisten, Bumblebee ist erneut ein Kindskopf, nur Hound ist ein wenig interessant. Bösewicht Lockdown gibt die beste Vorstellung und dürfte wohl der bisher dreidimensionalste Charakter im gesamten Movieversum sein, was natürlich so viel nicht heißen will.

Die Action: in den ersten zwei Dritteln des Films verkommen die Kämpfe Roboter gegen Roboter leider wieder einmal zur Nebensache, während die Kamera bei den Menschen bleibt. Sei es die „spannende“ Verfolgungsjagd zwischen der CIA Truppe und den von der Farm fliehenden Yeagers (im Hintergrund sieht man kurz mal Lockdown gegen Optimus), oder die spätere „Schlacht“ zwischen Galvatron und Optimus, bei der Optimus dann von Lockdown gefangen wird. Das Töchterchen Tessa rumschreit und versucht nicht zerquetscht zu werden ist deutlich länger im Bild als jeder Schlagabtausch zwischen Optimus und Galvatron oder Lockdown.

Auch die Szenen auf Lockdowns Schiff drehen sich zu 90% nur um die Menschen, von den Autobots sieht man kaum etwas. Erst als (wieder mal) Chicago zerstört wird (und wieder haufenweise Zivilisten draufgehen, was hauptsächlich Bumblebees Flugstil angelastet werden kann), dürfen die Autobots erstmals in den Vordergrund treten. Also mal kurz zumindest, bevor es wieder min. eine Stunde lang fast nur um die Menschen geht. Wobei wir lernen dass natürlich alle Asiaten Kung-Fu können und Marky Mark besser prügeln kann als ein ausgebildeter CIA Profikiller.

Erst ab Minute 130 geht die tatsächliche Roboter gegen Roboter Action endlich los, dafür dann aber als Druckbetankung. Explosionen, wirbelnde Metallsplitter, Wackelkamera, alles was man von Michael Bay so kennt. Und dann endlich, endlich auch die Dinobots, so 20, 25 Minuten bevor alles vorbei ist. Die vier Dinobots reden nicht, sie kriegen keine Namen, sie transformieren sich genau zweimal und machen dann jede Menge Decepticons platt. Aber der heimliche Star der Abschlussschlacht ist Hound, die „fette Ballerina“, der im Alleingang die halbe Decepticon-Armee platt macht, noch bevor die Dinobots erscheinen. Mein Lieblingscharakter aus dem ganzen Film.

Diese Roboter gegen Roboter Schlacht im Herzen einer generischen chinesischen Stadt dauert ca. 10 Minuten, dann sind wir wieder bei den Menschen für gefühlte 30 Minuten. Die Dinobots bleiben auf einer Brücke zurück, die sie „halten“ wollen (Gegen wen? Warum? Keine Ahnung!) und wir gehen in die Endschlacht zwischen Optimus, Lockdown, Cade und Bumblebee. Nebenbei macht Optimus noch Frasier, den bösen CIA Boss platt, aber das ist auch nur Nebensache. Dafür darf Optimus wieder mal einem Bösenwicht das Gesicht zerschnippeln. Und… er kann fliegen, jetzt auch ohne Jetfire Upgrade. Seit wann? Wieso? Warum nicht vorher schon? Egal. Hauptsache er kann am Ende in den Weltraum starten um die Schöpfer zu suchen. Wie er sie finden will? Durch die Macht einer dramatischen Rede natürlich.

Was den Film neben der Überlänge, dem schlechten Pacing und dem fast ausschließlichen Fokus auf die menschlichen Charaktere deutlich trübt ist auch die unglaubliche Anzahl an absolut dämlichen Details, die eingeflochten wurden. Nicht nur macht das den Film deutlich länger als er sein müsste, es erfüllt auch nicht den Zweck, der vermutlich beabsichtigt war, nämlich den extrem flachen Charakteren etwas Tiefe zu geben.

Cades Schwiegersohn in spe Lucas hat eine laminierte Karte mit dem Gesetz dabei, dass ihm erlaubt legal Minderjährige zu bumsen? Vermutlich soll das romantisch klingen, aber es ist eher das Verhalten eines zukünftigen Serien-Vergewaltigers. Man hätte die Tochter 18 sein lassen können. Man hätte einfach kurz erwähnen können, dass es eine Gesetzesausnahme gibt und fertig. Aber nein, es wird intensiv drauf rumgeritten, bis es endlich pervers klingt.

Frasier alias Kelsey Grammar alias… wie auch immer er im Film heißt, spielt den bösen CIA Obermotz. Seine Motivation? Er will die Erde von den gefährlichen Aliens befreien, die Chicago vernichtet haben. Gut und schön, aber um eine kleine Gruppe überlebender, beschädigter Roboter zu besiegen schließt er eine Allianz mit… einer deutlich größeren Gruppe voll funktionsfähiger Roboter mit großem Raumschiff und unklaren Absichten. Brillant, oder?

„Cemetery Wind“? Was ist, war „Blutkillerschwadron“ schon vergeben? Und „Mein Gesicht ist mein Gerichtsbeschluss“? Ernsthaft? Aber gut, wer von einer „CIA Militäroperation“ redet (die CIA ist eine zivile Behörde, nicht militärisch), der kümmert sich nicht um rechtliche Kinkerlitzchen.

Und genauso überflüssig sind zahlreiche Handlungsdetails, die vermutlich ebenfalls dem ganzen den Anschein von mehr Komplexität geben sollen, genauer betrachtet aber einfach nur dämlich sind:

Transformium? Als der Rest der Welt bei Avatar und dem „Unobtainium“ stöhnend die Hände vors Gesicht schlug sahen die Macher dieses Films scheinbar eine tolle Idee, die es zu klauen galt.

Optimus Prime ist schwer beschädigt und muss von Cade repariert werden… also bis er einen neuen Truck scannt, dann ist plötzlich alles wieder voll in Ordnung.

Galvatron wurde nach Optimus Primes Vorbild designt, sieht aber immer wieder aus wie Megatron. Und da wird keiner misstrauisch? Ehrlich? Und dass er fünf Sekunden nach einer ersten Transformation gleich außer Kontrolle gerät und haufenweise Zivilisten umbringt hilft auch noch nicht? Man sollte meinen dass sogenannte Genies, die eigene Transformers entwickelt, auch über einen Hauch gesunden Menschenverstand verfügen. Aber nein, das passt leider nicht ins amerikanische Stereotypen-System.

Lockdown will eigentlich abfliegen, aber verzögert seinen Abflug lange genug, dass die Autobots ihre Leute befreien können und merkt dann nicht mal, dass ein Drittel seines Schiffes abgekoppelt wurde? Klar, warum nicht?

Am Anfang des Films sieht man Dinosaurierer, erst lebendig, später als metallisierte Fossilien. Und das hat mit den mit Spannung erwarteten Dinobots… garnichts zu tun. Nicht das Geringste. Warum sich die Dinobots in Dinosaurier verwandeln? Keine Ahnung. Und wohin die Dinobots nach dem Ende der Schlacht gehen? Auch egal. Es hat uns zu reichen dass wir etwa 5 Minuten lang einen feuerspeienden Metall-T-Rex gesehen haben, aus!

Zum nervigen Product Placement sagen wir jetzt mal nix weiter. Das kennen wir auch aus den vorherigen Filmen schon, wenn’s auch da nicht so schlimm war.

Fazit also: AoE ist besser als Revenge of the Fallen und Dark of the Moon, soviel soll zugestanden werden. Und hätte man ihn um mal mindestens eine Stunde gekürzt, die zahlreichen absolut dämlichen Details einfach weggelassen und sich auf das Wesentliche konzentriert, wäre er denke ich als seichter Actionkracher auch voll okay gewesen. Aber so ist es einfach eine massive Druckbetankung aus Explosionen, spärlich gesäter Roboteraction, wirren und dämlichen Details und einer halbgaren Story, die für sich genommen vielleicht ja nicht übel gewesen wäre, in dem ganzen Durcheinander aber leider völlig untergeht.

Insofern: Bay bleibt bei seinen Leisten. Warum auch nicht. Sicherlich wird auch dieser Film die Milliarden-Grenze knacken. Aber wenn man schon Trash macht, sollte man es auch richtig machen und einen ehrlichen hirnlosen Actionkracher nicht mit dem gescheiterten Versuch von Story, Komplexität und Charaktertiefe aufblähen. Jemand der sich mit Videoschnitt auskennt sollte den Film auf 90 Minuten runtereditieren, dann wäre er gut.

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